Fell- und Farbvarianten

Fell- und Farbvarianten

Wer an Dalmatiner denkt hat normalerweise das Bild eines kurzhaarigen Hundes mit schwarzen Tupfen auf weißem Grund vor sich. Das ist der typische Dalmatiner, den nahezu jeder kennt. Allerdings ist die Farbpalette beim Dalmatiner deutlich größer und nicht nur auf weiß/schwarz beschränkt.
Weiß/braun ist ein weiterer, inzwischen schon recht häufig anzutreffender Farbschlag beim Dalmatiner, der aber vielen Menschen noch immer verwunderte und staunende Blicke entlockt. Doch es gibt auch noch einige Farbvarianten, die bisher kaum jemand kennt. Diese Farben nennen sich weiß/lemon, weiß/orange, weiß/blau, weiß/brindle und tricolor.
Unabhängig von der Farbe können bei allen Dalmatinern sogenannte Platten (von Geburt an sichtbare große Farbflecken), blaue Augen (einseitig und beidseitig) sowie Birkaugen (blaue Anteile im sonst braunen Auge) auftreten.
Dalmatiner weisen noch eine weitere Varietät auf. Allgemein kennt man sie als Kurzhaarhunde, doch es gibt auch ein paar Exemplare mit längerem Fell, die jedoch sehr selten sind.

Damit Sie sich einen Überblick über die farbliche Vielfalt des Dalmatiners machen können stellen wir auf dieser Seite jeden Farbschlag vor. Unter der einzelnen Vorstellung finden Sie Schaubilder zur Farbvererbung.

Das Zustandekommen der charakteristischen Färbung

Sein charakteristisches Aussehen erhält der Dalmatiner aus dem Zusammenspiel des Scheckungsgens und dem Tüpfelungsfaktor

Die Scheckung

Dalmatiner gehören mit ihrem überwiegend weißen Fell zu den sogenannten Extremschecken. Das weiße Fell ist eigentlich nur eine optische Täuschung. Die Haare enthalten keine Farbpigmente, sie sind nur luftgefüllt und erzeugen dadurch den Eindruck weißer Farbe.

Scheckung wird rezessiv vererbt (s), Nichtscheckung dominant (S), jedoch ist die Nichtscheckung nicht vollständig dominant über die Scheckung. Das heißt, dass Hunde, die mischerbig für das Scheckungsgen sind (S/s) häufig weiße Abzeichen haben wie z.B. eine weiße Brust oder weiße Pfoten.

Die Tüpfelung

Die typischen Tupfen, die den Dalmatiner so unverwechselbar machen entstehen durch das Tüpfelungsgen. Man kann sich die Weißscheckung als Mantel vorstellen und das Tüpfelungsgen verursacht „Löcher“ im Mantel, durch die man die eigentliche Grundfarbe des Hundes erkennen kann. Die Grundfarbe ist beim Dalmatiner entweder Schwarz, Braun, Lemon/Orange, Black (Brown) and Tan oder Gestromt.

Die Tüpfelung wird dominant vererbt (T), die Nichttüpfelung dagegen rezessiv. Dadurch ist es möglich, dass aus zwei reinrassigen Dalmatinern theoretisch auch komplett weiße Welpen ohne Tupfen geboren werden können. Dazu müssen beide Elterntiere mischerbig für Nichttüpfelung sein (T/t), dann können reinweiße Welpen (s/s, t/t) geboren werden. Diesen Fall gab es bereits in einem Wurf aus zwei Dalmatinern mit FCI Papieren, jedoch ist dies überaus selten und daher zu vernachlässigen.

Der weiß/schwarze Dalmatiner

Weiß/schwarz ist der bekannteste und auch am häufigsten vorkommende Farbschlag beim Dalmatiner. Bei ihm ist der Kontrast am intensivsten und die Tupfen selbst sind, im Vergleich zu den anderen Farbschlägen, in der Regel am größten. Weiß/schwarze Dalmatiner haben eine schwarze Nase und dunkelbraune oder mittelbraune Augen. Hellbraune Augen kommen gelegentlich auch vor, sind aber eher selten.

Beim Dalmatiner wird Schwarz über den B-Locus (Black, Brown) vererbt, es handelt sich hierbei um dominantes Schwarz. Ein weiß/schwarzer Dalmatiner kann genetisch reinerbig sein, das heißt, er kann ausschließlich Schwarz vererben, er kann aber ebenso mischerbig sein, das heißt, er ist ein genetischer Träger von Braun und kann auch Braun an seine Nachkommen vererben. Am äußeren Erscheinungsbild kann man nicht erkennen, ob ein schwarzer Dalmatiner reinerbig oder mischerbig ist.

Der weiß/braune Dalmatiner

Weiß/braun ist die am zweithäufigsten vorkommende Farbe beim Dalmatiner und inzwischen schon deutlich verbreiteter und bekannter als noch vor einigen Jahren. Der Farbschlag wird auch häufig leberfarben genannt, in Englisch heißt es zum Beispiel nicht white/brown, sondern white/liver, da der Farbton dem einer Leber sehr ähnelt. Weiß/braune Dalmatiner haben eine braune Nase und in der Regel helle, bernsteinfarbene Augen. Im Gegensatz zu den weiß/schwarzen Dalmatinern hat der braune Farbschalg meist etwas kleinere Tupfen.

Braun wird genau wie Schwarz über den B-Locus vererbt, allerdings ist es rezessiv, das heißt die Farbe tritt nur dann in Erscheinung, wenn ein Welpe von beiden Elternteilen die Anlage für Braun erhält.
Ein brauner Dalmatiner ist somit immer reinerbig für diese Farbe und kann selbst kein Schwarz (auf dem B-Locus) vererben. Wird ein brauner Rüde mit einer braunen Hündin verpaart, so besteht der Wurf ausschließlich aus braunen Welpen, sofern die Eltern nicht auch beide Lemonträger oder Träger des Verdünnungsgens sind.
In jedem Fall kann es niemals schwarze Welpen aus zwei braunen Elterntieren geben.

Der weiß/lemonfarbene Dalmatiner

Weiß/lemon ist ein selten vorkommender Farbschlag beim Dalmatiner, der noch nicht allzu bekannt ist. Lemonfarbene Dalmatiner haben eine schwarze Nase, welche jedoch nicht tiefschwarz ist, sondern ein wenig ausgewaschen wirkt, und dunkelbraune bis mittelbraune Augen. Der Farbton der Tupfen kann von sehr hellem zitronenfarben bis hin zu einem kräftigen Orangeton variieren. Die Tupfen bei Lemon sind häufig noch kleiner als die der weiß/braunen Dalmatiner.

Lemon wird auf dem E-Locus (E steht für Extension=Ausdehnung) vererbt und ist, genau wie Braun, rezessiv. Daher sind weiß/lemonfarbene Dalmatiner immer reinerbig für diese Farbe. Auf dem B-Locus ist ein lemonfarbener Dalmatiner schwarz, aufgrunddessen hat er auch eine schwarze Nase. Ein lemon- oder orangefarbener Dalmatiner kann, mit Ausnahme der Nasenfarbe und Augenumrandung, kein dunkles Pigment (Eumelanin) bilden, sondern nur helles Pigment (Phäomelanin). Der E-Locus bestimmt sozusagen, ob ein Hund in der Lage ist dunkles Pigment zu bilden oder nicht.

Weiß/lemon wird beim Dalmatiner im FCI Standard nicht anerkannt und von der Zucht ausgeschlossen. Da jedoch keine gesundheitlichen oder charakterlichen Einschränkungen und Bedenken für einen Ausschluss sprechen wird dieser Farbschlag im Pro Dalmatian normal zur Zucht zugelassen.

Der weiß/orangene Dalmatiner

Weiß/orange ist von der Vererbung und vom Farbton her identisch mit weiß/lemon. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Farbschlägen ist die Farbe der Nase, Augenumrandungen und Lefzen. Im Gegensatz zu weiß/lemon haben weiß/orangene Dalmatiner eine braune Nase und helle Augen, da sie auf dem B-Locus genetisch braun sind. Vom Farbton der Tupfen her gibt es keinen Unterschied zu lemon, bei orange können die Tupfen ebenfalls von sehr hell bis kräftig orange variieren, die Größe der Tupfen ist vergleichbar mit der von weiß/lemonfarbenen Dalmatinern.
Auch bei weiß/orange ist die Nase häufig nicht dunkelbraun, sondern hellbraun, im Vergleich mit einem braunen Dalmatiner wird dies gut sichtbar.

Bezüglich der Zucht gilt hier das Gleiche wie für weiß/lemon.

Der weiß/blaue Dalmatiner

Weiß/blau ist eine nur extrem selten vorkommende Farbe beim Dalmatiner. Weiß/blaue Dalmatiner haben eine graue Nase und gräuliche Augen. Der Begriff „Blau“ ist etwas irreführend, da die Tupfen eher dunkelgrau sind.

Bei weiß/blau handelt es sich um eine sogenannte Verdünnung. Der Hund ist genetisch eigentlich schwarz, ein anderer Genort, der D-Locus (D steht für Dilution=Verdünnung), sorgt in dem Fall aber dafür, dass das Schwarz verdünnt und somit optisch aufgehellt wird. Durch den Verdünnungsfaktor entstehen kleinere Pigmentkörnchen, welche noch dazu verklumpen. Dadurch entsteht die graublaue Färbung, wie man sie z.B. häufiger bei Deutschen Doggen sieht.

Aber nicht nur schwarz kann durch den Verdünnungsfaktor aufgehellt werden, sondern auch braun und lemon. Braun wird aufgehellt zu Silber und Lemon zu Falbfarben. Weimaraner sind eine typische Rasse, die im Farbschlag Silber (verdünntes Braun) vorkommt.
Bei verdünntem Lemon und Orange ist die optische Erkennung nicht so einfach, da die Nuancen von Gelb auch so schon sehr breit gefächert sind. Anhand der Fellfarbe ließe sich vermutlich schwer abschätzen, ob es sich um eine Verdünnung oder einfach um sehr helles Lemon handelt. Einen Hinweis könnte hier jedoch die Nasen- und Augenfarbe liefern.

Weiß/blau ist ebenso wie Lemon und Orange kein laut Standard anerkannter Farbschlag und wird in der FCI von der Zucht ausgeschlossen. Da bei einigen anderen Rassen im Zusammenhang mit den verdünnten Farbschlägen (z.B. Dobermann) immer wieder eine Hautkrankheit, die Color Dilution Alopezie, auftritt, ist es aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll nicht mit weiß/blauen Dalmatinern zu züchten. Träger des Verdünnungsgens könnten dagegen in der Zucht eingesetzt werden, sofern sie mit einem Hund verpaart werden, der kein Träger des Gens ist. Zwar lässt sich aufgrund des geringen Vorkommens dieser Farbe beim Dalmatiner keine Aussage darüber machen, ob der Farbschlag auch hier mit der Color Dilution Alopezie gekoppelt ist. Doch, möglicherweise, kranke Nachkommen für eine Farbe in Kauf zu nehmen wäre nicht im Sinne der Pro Dalmatian und der Hunde, daher werden die Farbschläge weiß/blau und weiß/silber im Pro Dalmatian nicht zur Zucht zugelassen.

Der weiß/gestromte Dalmatiner

Weiß/gestromt oder auch weiß/brindle genannt (Brindle ist das englische Wort für gestromt) ist genau wie weiß/blau und tricolor sehr selten.
Bei diesem Farbschlag sind die Tupfen nicht einfarbig, sondern gestromt, dass heißt dunkle Streifen verlaufen über den Körper. Die Stromung wird jedoch nur auf einer hellen Grundfarbe sichtbar, dem dominanten Gelb (ay). Lemonfarbene oder orangene Dalmatiner dagegen können niemals optisch gestromt sein, da die Ausprägung des rezessiven Gelb (e/e) die Entstehung von dunklem Melanin (Eumelanin) verhindert. Genetisch könnte jedoch ein Lemondalmatiner durchaus getromt sein und die Anlage dafür weitergeben.

Die Ausprägung der Stromung kann sehr unterschiedlich ausfallen, von sehr wenigen Streifen, die weit voneinander entfernt sind bishin zu einer sehr engmaschigen Stromung, durch die der Hund sehr dunkel wird.
Die häufigste Stromungsfarbe ist Schwarz auf gelbem Grund. Die Stromung kann aber ebenso auch Braun oder Blau sein. Blaugestromt ist beim Dalmatiner irrerelevant, da schon Blau an sich ein verschwindend geringer Teil der Rasse ist.

Damit ein Dalmatiner gestromt sein kann darf er am K-Locus kein Allel für dominantes Schwarz tragen (KB). Er muss dort die Ausprägung kbr/kbr oder ky/kbr tragen, damit die Farben des A-Locus zur Ausprägung kommen können. Am A-Locus kann er die Kombination ay/ay (reinerbig Gelb), ay/at (Gelb, trägt Tricolor), ay/aw (Gelb, trägt Wildfärbung) oder auch ay/a (Gelb, trägt rezessives Schwarz) um optisch gestromt zu sein.

Im Standard wird weiß/brindle als unerwünschter Farbschlag von der Zucht ausgeschlossen. Im Pro Dalmatian wird weiß/Brindle zur Zucht zugelassen.

Der tricolor Dalmatiner

Tricolor gibt es beim Dalmatiner in vier Varianten (zumindest rein theoretisch). Diese sind weiß/schwarz/loh, weiß/braun/loh, weiß/blau/loh und weiß/silber/loh. Tricolor entsteht beim Dalmatiner durch die Kombination von der Farbe Black and tan (oder Brown and tan) mit Weißscheckung.

Beim weiß/schwarz/lohfarbenen Farbschlag ist die Nase schwarz und die Augen sind dunkelbraun. Ist der Hund weiß/braun/lohfarben, so ist die Nase braun und die Augen sind bernsteinfarben.

Tricolor kann auch gleichzeitig in Kombination mit Stromung vorkommen. Bei dieser Farbkombination sind die lohfarbenen (hellen) Tupfen nicht einfarbig, sondern gestreift. Die Stromung verläuft über den gesamten Körper, wird jedoch nur an den hellen (lohfarbenen) Tupfen sichtbar. Tricolor wird über den K- und A-Locus (A steht für Agouti=Wildfärbung) vererbt. Beide Genorte müssen eine bestimmte Kombination aufweisen (z.B. kyky/atat), damit Tricolor zustande kommt.

Auch tricolor gilt als nicht anerkannte Farbe und erhält somit in der FCI einen Zuchtausschluss. Tricolor ist im Pro Dalmatian zur Zucht zugelassen.

Platten


Platten nennt man beim Dalmatiner große Farbflecken, die im Gegensatz zu den normalen Tupfen, bereits direkt nach der Geburt sichtbar sind.

Platten treten am häufigsten im Kopfbereich auf. Es gibt Ohrenplatten (ein oder beide Ohren sind komplett gefärbt), Kopf-Ohrenplatten (ein oder beide Ohren und ein Teil des Kopfes sind komplett gefärbt), Monokel (eine Platte um ein oder beide Augen herum), Gesichtsplatten (z.B. eine komplett gefärbte Gesichtshälfte) und Körperplatten (alle Platten, die sich nicht am Kopf befinden). Platten treten bei Dalmatinern immer wieder auf, unabhängig von der Farbe oder Felllänge.
Auch kommt es vor, dass ein Dalmatiner mehr als nur ein Platte hat.
Bislang ist nicht geklärt wie die Anlage für Platten vererbt wird.

Dalmatiner mit Platten werden im Pro Dalmatian ganz normal zur Zucht zugelassen.

Two Tone Spots

Bei Two Tone Spots handelt es sich um zweifarbige Tupfen. Die Umrandung der Tupfen ist dunkler und liegt wie ein Ring um den inneren, deutlich helleren Teil. Bisher zeigen jedoch scheinbar nur einige lemon- und orangefarbene Dalmatiner dieses Phänomen.

Wie stark dieses Farbmuster ausgeprägt ist ist individuell sehr unterschiedlich. Der Kontrast kann schwach bis stark ausfallen. Das rechte Bild zeigte eine Hündin mit sehr konstraststarken Punkten, das linke Bild einen Rüden mit farbintensiveren Tupfen und sanfeterem Farbverlauf.
Die Two Tone Spots können sich am ganzen Körper befinden, sie sind nicht local begrenzt. Ebenso können alle Tupfen des Hundes zweifarbig sein oder auch nur einige Tupfen, während andere Tupfen einfarbig sind.

Wie Two Tone Spots vererbt werden ist bislang nicht geklärt.

Mosaic Spots

Bei den Mosaic Spots handelt es sich um einzelne Tupfen, die eine andere Farbe als die restlichen Tupfen des Hundes haben. So kann ein eigentlich weiß/schwarzer Dalmatiner auch einen einzelnen braunen oder lemonfarbenen Punkt haben. Ein Mosaic Spot kann an allen Körperstellen auftreten. Das Beispielbild zeigt einen weiß/schwarzen Welpen mit einem einzelnen silbernen Punkt im Halsbereich.
Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den Mosaic Spots um lokal begrenzte Mutationen handelt, die zudem nur das Individuum betreffen und nicht erblich sind.

Langhaarigkeit

Langhaarige Dalmatiner sind ein seltener Anblick und aktuell existieren (wissentlich) nur einige Exemplare in den USA sowie 3 weiß/schwarze Rüden und eine weiß/schwarze Hündin in Europa. Zwei der Rüden sowie die Hündin leben in Deutschland, ein Rüde lebt in Österreich.
Das Fell wird als halblang bezeichnet und man kann es sich in etwa wie beim Langahaarweimaraner vorstellen. An den Läufen und am Kopf ist das Fell kürzer als am übrigen Körper, an der Rute ist es dagegen besonders lang und auffällig. Die wenigen im Moment existierenden langhaarigen Dalmatiner sind scheinbar alle weiß/schwarz oder weiß/braun, jedoch ist jeder Farbschlag in einer Langhaarvariante möglich.

Die Länge des Fells ist nicht festgelegt, sie kann von Hund zu Hund variieren und deutlich sichtbare Unterschiede hervorbringen.

Langhaarige Dalmatiner sind reinerbig für das rezessive Gen (l), kurzhaarige Dalmatiner können dagegen reinerbig Kurzhaar sein (LL) oder aber mischerbig (Ll) und somit Träger des Lanhaargens. Ob ein Hund Langhaarigkeit in seinen Genen trägt kann mittels eines einfachen Gentests bestimmt werden.

Im Standard sind ausschließlich kurzhaarige Dalmatiner zur Zucht zugelassen, im Pro Dalmatian kann dagegen auch die langhaarige Variante gezüchtet werden.

Beispiele für die Erbgänge

Die Beispiele dienen der Anschauung über verschiedene Genkonstellationen und die theoretischen Ergebnisse bei einer Verpaarung. Selbstverständlich wirken immer alle Genorte für die Fellfabe und -länge des Hundes zusammen. Eine Darstellung, die alle relevanten Genorte gleichzeitig in die Schaubilder mit einbezieht ist jedoch nicht möglich, da diese dann viel zu groß und unübersichtlich werden würden. Aus diesem Grund werden jeweils nur 2-3 Genorte zusammen betrachtet.

Beispiel 1:

Im folgenden Schaubild sind beide Elternteile reinerbig schwarz (BB) und kein Lemonträger (EE). Aus einer solchen Verpaarung gibt es ausschließlich Welpen, die ebenfalls reinerbig schwarz und kein Lemonträger sind, da keine anderen Genkombinationen möglich sind.

Beispiel 2:

Dieses Schaubild soll aufzeigen, dass der Phänotyp (das Äußere eines Hundes) für eine Vorhersage über die zu erwartenden Farben in einem Wurf nicht genügend Aussagekraft hat. Um eine möglichst genaue Vorhersage für die zu erwartenden Farbschläge eines Wurfes machen zu können ist der Genotyp (genetische Anlagen) und das Wissen über deren Vererbung wichtig.
In diesem Beispiel ist die Mutter lemonfarben (ee) und reinerbig schwarz (BB). Der Vater ist braun (bb) und kein Lemonträger (EE). Alle Welpen aus dieser Verpaarung werden weiß/schwarz und sind vom Genotyp mischerbig schwarz (Bb) und Lemonträger (Ee). Da braun rezessiv ist und die Mutter keine Anlage für Braun trägt, erhält kein Welpe zwei Allele für braun. Das Gleiche gilt für Lemon, denn auch diese Farbe ist rezessiv und kommt nur in reinerbiger Ausführung (ee) zur Ausprägung. Kurz gesagt ist B dominant über b und E dominant über e.

Beispiel 3:

In diesem Schaubild sind beide Eltern mischerbig schwarz (Bb) und Lemonträger (Ee). Bei einer solchen Verpaarung sind theoretisch 9 verschiedene Genotypen (Genkonstellationen) und 4 verschiedene Phänotypen (äußeres Erscheinungsbild) möglich. Da beide Eltern auch die genetischen Anlagen für die rezessiven Farben braun und lemon tragen können diese bei entsprechender Konstellation auch wieder auftreten.
Folgende Genkonstellationen sind aus dieser Verpaarung möglich:

BBEE = reinerbig schwarz, kein Lemonträger
BBEe = reinerbig schwarz, Lemonträger
BBee = reinerbig schwarz (genetisch, nicht optisch), lemon
BbEE = mischerbig schwarz, kein Lemonträger
BbEe = mischerbig schwarz, Lemonträger
Bbee = mischerbig schwarz (genetisch, nicht optisch), lemon
bbEE = braun, kein Lemonträger
bbEe = braun, Lemonträger
bbee = braun (genetisch, nicht optisch), orange

Beispiel 4:

In diesem Beispiel geht es um die Vererbung von Tricolor. Zur Ausprägung von Tricolor müssen auf dem K-Locus und dem A-Locus bestimmte Allele vorliegen. Hat der Hund auf dem K-Locus die Allele KB/KB oder KB/kbr oder KB/ky, so kommt der A-Locus nicht zur Ausprägung. Nur bei den Kombinationen kbr/kbr oder ky/ky oder kbr/ky werden die Gene vom A-Locus ausgeprägt. Der E-Locus (Lemon) wurde der Übersicht halber hier nicht mit einbezogen. In der Praxis ist es jedoch so, dass bei einem lemonfarbenen Dalmatiner (ee) der A-Locus nicht ausgeprägt wird, auch wenn der K-Locus es zulassen würde. Den Genkonstellation ee unterdrückt den B-Locus, sowie den K- und A-Locus.

Im folgenden Schaubild ist die Mutter mischerbig schwarz (Bb) und Tricolorträger (KBky/atat). Der Vater ist braun (bb) und ebenfalls Tricolorträger (KBkbr/atat), zudem trägt er die Information für Stromung (kbr). Da beide Eltern jedoch das Allel KB tragen kommt bei ihnen selbst der A-Locus nicht zur Ausprägung.
Folgende Kombinationen sind möglich:

Bb/KBKB/atat = mischerbig schwarz, kein Tricolorträger
Bb/KBky/atat = mischerbig schwarz, Tricolorträger
bb/KBKB/atat = braun, kein Tricolorträger
bb/KBky/atat = braun, Tricolorträger
Bb/KBkbr/atat = mischerbig schwarz, Tricolorträger, Brindle Träger
Bb/kbrky/atat = schwarz tricolor mit Stromung, Braunträger
bb/KBkbr/atat = braun, Tricolorträger, Brindleträger
bb/kbrky/atat = braun tricolor mit brindle

Beispiel 5:

Dieses Schaubild ist fast identisch mit Beispiel 4, jedoch ist dieses Mal der Vater selbst tricolor mit brindle.
Folgende Genkonstellationen sind möglich:

Bb/KBky/atat = mischerbig schwarz, Tricolorträger
Bb/kyky/atat = schwarz tricolor, Braunträger
bb/KBky/atat = braun, Tricolorträger
bb/kyky/atat = braun tricolor
Bb/KBkbr/atat = mischerbig schwarz, Tricolorträger, Brindleträger
Bb/kbrky/atat = schwarz tricolor mit Brindle, Braunträger
bb/KBkbr/atat = braun, Tricolorträger, Brindleträger
bb/kbrky/atat = braun tricolor mit brindle

Beispiel 6:

An diesem png wird aufgezeigt wie sich der Verdünnungfaktor auf die Fellfarbe auswirkt. Nicht nur Schwarz und Braun kann verdünnt werden, sondern auch Lemon. Der E-Locus wurde jedoch hier nicht beachtet, da das Schaubild sonst zu groß und unübersichtlich werden würde.

Die Mutter ist mischerbig schwarz (Bb) und mischerbig für Verdünnung (Dd). Der Vater ist braun (bb) und mischerbig für Verdünnung (Dd). 50% der Nachkommen sind Träger des Verdünnungsfaktors, 25% tragen den Verdünnungsfaktor nicht und bei 25% kommt die Verdünnung zur Ausprägung.
Folgende Genkonstellationen sind hierbei möglich:

Bb/DD = mischerbig schwarz, kein Verdünnungsträger
Bb/Dd = mischerbig schwarz, Verdünnungsträger
bb/DD = braun, kein Verdünnungsträger
bb/Dd = braun, Verdünnungsträger
Bb/dd = blau, Braunträger
bb/dd = beige